EZB dreht an der Zinsschraube: Das ist TerrorAuf der letzten Pressekonferenz der EZB hat deren Präsident Jean-Claude Trichet für Juli eine weitere Zinserhöhung angedeutet. Damit wären die Leitzinsen im Euroraum bei 1.5% und damit bereits wieder um 1.37% bzw. 1% höher als in den USA bzw. im United Kingdom.
Leider habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen die Bedeutung der Leitzinsen systematisch unterschätzen, weshalb ich hier einige der Geldströme erklären will, die dadurch bewirkt und gesteuert werden.
Die von der Zinspolitik der EZB betroffenen Staaten der Eurozone sind mit insgesamt 7.063 Milliarden Euro verschuldet, wovon 1.762 Milliarden auf Deutschland und 184 Milliarden auf die Republik Österreich entfallen.
Jeder Zinsschritt (0.25%) der EZB kostet die Steuerzahler dieser Staaten also 18 Milliarden Euro, wovon 4.4 Milliarden auf Deutschland und 460 Millionen auf Österreich entfallen.
Die Weigerung der EZB, die Zinsen in der Eurozone unter 1% zu senken hat die Steuerzahler insgesamt 176 Milliarden Euro gekostet, wovon wieder 44 Milliarden auf Deutschland und 4.6 Milliarden auf Österreich entfallen.
Die Unternehmen sind mit 220 Milliarden Euro der größte Nettoschuldner in der österreichischen Wirtschaft. Jeder Zinsschritt der EZB kostet die Unternehmen 550 Millionen Euro, das entspricht 11.443 Arbeitsplätzen.
Viele Unternehmen würden gerne zusätzliche Mitarbeiter einstellen, wenn nicht das Geld dafür fehlen würde. Mit ihrer Weigerung, die Zinsen unter 1% zu senken, hat die EZB die Schaffung vieler tausend Arbeitsplätze verhindert bzw. die Unternehmen gezwungen, Personal einzusparen.
Die privaten Haushalte sind mit 146 Milliarden Euro verschuldet. Jeder Zinsschritt der EZB kostet diese Haushalte 365 Millionen Euro. Insgesamt haben die hohen Zinsen die Haushalte im Euroraum bereits 3.65 Milliarden Euro gekostet - Kaufkraft die dem europäischen Binnenmarkt entzogen wurde.
Im statistischen Durchschnitt verfügen die Haushalte zwar auch über ein Geldvermögen von 70.000 Euro , dieses ist jedoch sehr ungleich verteilt: Die reichsten 10% der Haushalte besitzen 53% davon.
Angesichts dieser Fakten und Zahlen, muss man die berechtigte Frage stellen, was Jean-Claude Trichet mit dieser Zinserhöhung bezwecken will.
Die Inflation wird derzeit vor allem durch die gestiegenen Mineralölpreise verursacht, die wiederum von Rohstoff-Spekulationen getrieben werden. Die Zinsen im Euroraum zu erhöhen wird diese Spekulationen nicht platzen lassen, da sie ohnehin mit anderen billigeren Währungen finanziert werden.
Demgegenüber steht das Risiko, dass die EZB mit den höheren Zinsen den finanziellen Zusammenbruch Griechenlands und anderer Euro-Staaten auslöst. Die staatlichen Haftungen (Rettungsschirm) würden schlagend und die Bürger viele Milliarden Euro kosten. Zudem hat die EZB einen großen Teil der griechischen Staatsanleihen von den Banken übernommen, sodass diese als "Bad Bank" auf eine Kapitalerhöhung durch die Mitgliedsstaaten bzw. deren Steuerzahler angewiesen wäre.
Europa wäre gut beraten, die EZB schnellstmöglich nach dem Vorbild der amerikanischen FED zu reformieren. Diese ist nämlich nicht nur der Preisstabilität verantwortlich, sondern vor allem auch der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt.
Es ist für eine zivilisierte Gesellschaft unwürdig, ihr Tauschmittel von einer Institution kontrollieren zu lassen, die nicht demokratisch legitimiert ist, keiner demokratischen Kontrolle unterliegt und einzig und alleine der Preisstabilität verantwortlich ist. Es darf nicht sein, dass die EZB auch noch stolz darauf ist, dass sich die Reichen und Superreichen noch immer hunderte Yachten und Autos kaufen könnten, während tausende Menschen in Europa arbeitslos sind und die Staaten kaputtgespart werden.