Big Brother Awards 2010

Published: 21. Oktober 2010
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Kommenden Montag, den 25. Oktober ist es wieder soweit: die Big Brother Awards 2010 werden an Personen und Organisationen vergeben, die sich im vergangenen Jahr ganz besonders um die Überwachung, Bevormundung oder Zensur der Zivilgesellschaft verdient gemacht haben. Hier auszugsweise einige Nominierungen:

Politik: Josef Pröll (ÖVP)

Einer der Kandidaten für einen Big Brother Award ist dieses Jahr Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP), der mit der Transparenzdatenbank eine gigantische Datensammlung mit hohen Kosten und zweifelhaftem Nutzen geschaffen hat.

Wie könnte es bei einer Forderung der ÖVP auch anders sein, sind von der Transparenzdatenbank hauptsächlich Sozialleistungen betroffen. Wesentlich wichtigere Bereiche, in denen uns steuerzahlenden Bürgern durch fehlende Transparenz schon viel größere Schäden entstanden sind, als durch den Mißbrauch von Sozialleistungen, werden jedoch nicht erfasst.

Wie wäre es mal mit "transparente Regierung" statt "gläserner Bürger"?

Behörden und Verwaltung: Cecilia Malmström

Vermutlich besser bekannt unter dem Spitznamen "Censillia", den sie sich mit der Forderung nach einer europaweiten Zensur-Infrastruktur für das Internet verdient hat.

Kinderpornografie ist großartig. Es wird wunderbar werden, da Politiker Kinderpornos verstehen. Und indem diese Karte gespielt wird, können wir sie dazu bringen, dass sie Seiten blocken. Und wenn sie einmal damit angefangen haben, kriegen wir sie auch dazu, Filesharing-Seiten zu blocken.

Besonders abstossend finde ich, dass Malmström - wie vom Sprecher der dänischen Anti-Piraterie-Gruppe vorgeschlagen - Kinder instrumentalisiert hat, um die Zensurbestrebungen der Content-Industrie zu rechtfertigen.

Kommunikation und Marketing: Apple und das iPhone

Apple musste bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongreß zugegeben, dass das iPhone GPS-Positionsdaten der Benutzer ungefragt an den "Big Brother" übermittelt.

So ganz kann ich die Aufregung allerdings nicht verstehen, schließlich sollte ohnehin jedem bewusst sein, dass er durch sein Mobiltelefon jederzeit auf wenige Meter genau ortbar ist. Aber vielleicht soll die Nominierung genau das ins Bewusstsein rufen.

Mit der Vorratsdatenspeicherung sollen die über das Mobiltelefon ermittelten Standortdaten demnächst sogar für sechs Monate "auf Vorrat" gespeichert werden. Wenn die Polizei also einmal die Frage stellt, wo sie am Freitag vor einigen Monaten gewesen sind, dann hat sie das über die gespeicherten Vorratsdaten vermutlich schon längst in Erfahrung gebracht.

Termin: 25. Oktober ab 18h